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Presseinformation
vom 8. Juli 2021

Iv Toshain
Iv Toshain
Erste Museums-Einzelausstellung Künstlerin und Aktivistin Iv Toshain

Die erste Museums-Einzelausstellung der in Wien lebenden Künstlerin Iv Toshain wird vom 15. Juli bis zum 10. September 2021 im MOMA – Museum of Modern Art in Tiflis, Georgien zu sehen sein. Eingeladen wurde sie dazu von dem international tätigen Kurator Stephan Stoyanov. Im Rahmen von „NULLITY IS THE ONLY REVOLT“ wird die Künstlerin eine neue 4 x 6 x 15 Meter große, ortsspezifische Installation zeigen. Die Skulptur verweist auf aktuelle Themen wie Pandemie, Freiheit, Demokratie, Zwang, Gleichheit und Feminismus. Das Hauptwerk besteht aus drei Kilometer dicht aneinander gereihter Aluminiumketten und erinnert zugleich an eine Mauer, einen Vorhang (den Eisernen Vorhang), eine Welle und einen Teppich.

EREWHELSE II
Die neue Installation der Künstlerin Iv Toshain, die während der Pandemie Zeit hatte, sich zwischen Österreich, Bulgarien und der Europäischen Union mit ihrer persönlichen Geschichte zu befassen, beschäftig sich mit Themen wie Freiheit, Pandemie, Demokratie, Tod, Leben, Unterdrückung, Gleichberechtigung und heutigem Feminismus.

Die Hauptarbeit in diesem Werk besteht aus drei Kilometer eng aneinander liegenden Aluminiumketten mit Guillotinen am Ende. Sie erinnert zugleich an eine Wand, einen Vorhang (Eiserner Vorhang), eine Welle, einen Teppich und Nationalflaggen. Flaggen sind symbolische Werkzeuge, die die wesentlichen Grundlagen der Staatsideologie, Lehren, Konzepte, Werte und Bestandteile des politischen Systems widerspiegeln. Sie sind meist aus Textil und stehen immer für Stolz, Ehre und Patriotismus. Doch sobald die Fahnen aus Ketten den Boden der Ausstellungshalle erreichen, verwandeln sie sich in eine Allegorie eines 6 x 15 Meter großen Teppichs, gewebt aus Aluminiumgliedern, deren Farben gegen Ende verblassen. So wird dieser Teppich, den die Ketten auf dem Boden bilden, zu einem symbolischen Instrument von Zwang und Befreiung. Schließlich kritisiert die schneidende Flaggeninstallation nicht nur die Verletzung demokratischer Rechte, die sich hinter den dicken Vorhängen des Staatsapparates verbergen, sondern bezieht auch in einer neuen feministischen Dimension die Rolle der seit Jahrhunderten typischen weiblichen Praktiken und Frauenarbeit heute ein. 

Zu den weiteren Werken der Ausstellung gehört eine überdimensionale Metallskulptur, deren Form dem Coronavirus ähnelt und die Fragen zu Machtverschiebungen, Demokratie und Pandemie aufwirft. Es ist ein die Weltkugel symbolisierender Morgenstern, dessen Kontinente von 21 Dornen durchbohrt sind. „NOMOS BASILEUS“ (das Gesetz ist König) ist darauf in Neonbuchstaben zu lesen. Hier bezieht sich die Künstlerin auf einen Text des Dichters Pindar (518- 446 v. Chr.) über die Taten des Herakles. NOMOS, das griechische Wort für „Gesetz“ und BASILEUS, „der König“. Diese Worte bilden eine Formel für einen Kernpunkt, der dem westlichen politischen Denken zugrunde liegt: In der Demokratie herrscht das Gesetz. Geht man jedoch um den Morgenstern herum, wird NOMOS BASILEUS zu BASILEUS NOMOS, also „der König ist das Gesetz“. Diese Arbeit wurde bereits 2015 im Museum Belvedere in Wien und 2017 im Lentos Museum in Linz gezeigt. Es wird das erste Mal sein, dass die Skulptur im Ausland zu sehen sein wird.

Die Ausstellung wird zudem zwei große Videoarbeiten sowie eine neue Neonarbeit umfassen. Die beiden Videos zeigen Militärparaden in verschiedenen Ländern. Die Paraden verweisen auf die Leidenschaft und hypnotische Kraft von Kriegspropaganda, die in Bildern von schöner Kleidung und jungen Menschen mit rhythmischen, abstrakt-mechanischen Bewegungen verpackt wird. Dieser Hyperrealismus rückt sie näher an die Popkultur als an die eigentliche Bedeutung, die sie evozieren sollen.

NULLITY IS THE ONLY REVOLT“ ist der neueste Neon-Slogan der Künstlerin. Schrift spielt in Iv Toshains Werken eine wichtige Rolle. Ihre Neonschilder sind Haiku-Slogans und verkörpern die abstrakte Vorstellung, die sich die Künstlerin von der Welt bildet. Haikus sind kurze, traditionelle japanische Gedichte und stellen Erlebtes nicht abstrakt sondern konkret dar.

Iv Toshain
Iv Toshain ist eine österreichische Künstlerin und Aktivistin, die 1980 hinter dem eisernen Vorhang in Sofia geboren wurde und als kleines Kind mit ihrer Familie im Irak lebte. „Aus dieser Zeit stammt auch die Narbe an meiner rechten Wange, die ich mir beim Spielen in einem Bunker zugezogen habe" erklärt Iv Toshain. „Erst vor kurzem wurde mir klar, dass das zur Zeit des Irak-Iran-Krieges war. Sonst habe ich an die ersten neun Jahre meines Lebens leider keine Erinnerungen“, schließt Iv ab.

Nach dem Studium an der Accademia delle Belle Arti di Brera in Mailand, Italien und an der Nationalen Kunstakademie in Sofia, Bulgarien sowie dem MA-Abschluss in der Meisterklasse von Franz Graf an der Akademie der Bildenden Künste Wien, nahm sie an zahlreichen Gruppen- und Einzelausstellungen in den USA, England, Dänemark, Tschechien, Rumänien, Polen, Österreich, Bulgarien, Italien, Deutschland u.v.m. teil. In Österreich stellte Sie u.a. im Belvedere Museum in Wien, im Lentos Museum in Linz, im Museum für Angewandte Kunst (MAK) in Wien, im Kunstraum Innsbruck, im Künstlerhaus Wien und in der Kunsthalle Wien aus.

Seit 2012 ist sie Mitbegründerin des Art-Labels FXXXismTC (*2012, Vienna – Sofia – St. Petersburg), welches eine kritische Position gegenüber Ideologien einnimmt und als Plattform für das Hinterfragen institutioneller Aktivitäten dient. Für www.fxxxx.me erhielt sie zudem den MiA AWARD 2012 in der Kategorie Kunst & Kultur für herausragende Leistungen von Frauen mit internationalem Hintergrund, die in Österreich leben und arbeiten.

Iv Toshains künstlerische Praxis umfasst verschiedene Medien: Performance, Film, Installation, Skulptur, Malerei und Zeichnung, und sie untersucht die Beziehung zwischen Macht, Geschlecht, Raum, Kontrolle, Überwachung, Sprache und Architektur. Morgensterne, Muster, Soldaten, Waffen, Text – all das sind für sie Inspirationsquellen und Gegenstände ihrer Arbeit. Dies ist die erste umfassende Präsentation von Iv Toshains komplexem und vielfältigem künstlerischen Oeuvre, die in einer bedeutenden Institution im Ausland präsentiert wird.

Iv Toshain über ihre Arbeit
Ich bezeichne meine künstlerische Herangehensweise als Cutting-Edge. Damit gemeint ist die Setzung von Inhalten, Motiven und Techniken an der Grenze von Genre, Stil und Werkzeugen, um die Möglichkeiten der Kunst herauszufordern. Dabei ist der Begriff Cutting-Edge buchstäblich aufzufassen. Die Klinge, die einerseits zum Angriff auf den zeitgenössischen Bilderwahn der Pop-Kultur mit Ninja-Wurfsternen und zum anderen zum Aufschlitzen oder Anstechen von Bildoberflächen dient, erzeugt dabei eine faszinierende Schönheit und Poesie.


Der Verlauf meiner künstlerischen Entwicklung, die auch mit einem Kampf begann, erklärt einiges: Ich habe meine Bilder in der Studienzeit nie fertig gemalt. Tatsächlich hat mich die Malerei fertig gemacht. Und die Frage: „Kann ich so weiter malen, bis ich 80 bin?“ hat mir keine Ruhe gegeben. Nein, Ich bin wissbegierig, die klassische Malerei war mir einfach zu langweilig. Ich mag das allzu Realistische nicht. Ich habe es am liebsten, wenn der Betrachter möglichst viel Freiraum hat. Mir geht es um Gefühle, nicht um Darstellung.

Im Alter von 21 Jahren verließ ich Bulgarien, um in Österreich mein Kunstverständnis zu erweitern. Ich war auf der Akademie der bildenden Künste bei Prof. Franz Graf, der meine Entwicklung vorangetrieben hat. Mit 24 war ich mit dem Studium fertig; sieben Jahre rührte ich nach dem Abschluss keine Farbe an, arbeitete stattdessen mit Fotografie, Plexiglas, Skulptur.

Um den Bogen zu schließen: Ich schwärme für Kunst, Geschichte, aber auch für Mathematik, Psychologie, Astronomie. Auf diese Art, inspiriert von Buckminster Fuller, Karl Jung oder Steven Hawkins, kam ich von der gegenständlichen Malerei zu geometrischen Formen - grundlegenden Strukturen, die über allem stehen. Wichtige Inspiration waren die Sterne des Hubble-Teleskops. Ich habe sie schwarz gemacht, da haben sie plötzlich wie Einschusslöcher ausgesehen. Über diesen Link kam ich zu den Wurfsternen und deren Zweideutigkeit als Symbol. Das ist „Cutting Edge“: Weil ich an die Grenzen gehe, und weil ich wirklich zur Klinge greife. Das ist authentisch und zeitgemäß - alles andere ist bloße Dekoration!

www.toshain.com 

IV TOSHAIN
Museumseinzelausstellung
"NULLITY IS THE ONLY REVOLT"
15. Juli 2021 bis 10. September 2021
im
Moma Tbilisi
Museum of Modern Art in Tiflis/Georgien
Kurator Stephan Stoyanov

Pressefotos zur Presseinformation
  • Iv_Toshain
    Erewhelse, Stahl, Aluminium, Pulverbeschichtung, 700x200 cm
    Copyright: Iv Toshain
  • Iv_Toshain
    Iv Toshain
    Copyright: Iv Toshain
  • Iv_Toshain
    Guillotine
    Copyright: Iv Toshain
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